Gelbgrüne Heuchera: Eine Füllstaude als Star 2026.01.21
Der Begriff der „Füllstaude“ ist ein wenig unfreundlich. Er bedeutet, dass mit einer derartigen Pflanze Lücken im Beet geschlossen werden. Sie selbst soll eher unscheinbar sein, um die anderen Stauden desto besser hervorzuheben zu können. Gibt man den Begriff „Füllstaude“ im Internet ein, so wird unter anderem die Gattung Heuchera als ein Beispiel erwähnt.
Die Ursprungspflanze an der Ecke zum Zaun des Nachbarn und der Garage agf dm Scheitel der Trockenmauer wird immer ein wenig verkleinert, um den Leberblümchen links daneben Licht zu lassen.Von der Gattung Heuchera spielte in unseren Gärten lange Zeit nur das Blut-Purpurglöckchen (Heuchera sanguinea) eine Rolle, das vor allem wegen seiner korallenroten Blüten empfehlenswert ist und den Gattungsnamen Purpurglöckchen geprägt hat. Dann aber gab es seit etwa 20 Jahren eine explosionsartige Vermehrung neuer Heuchera-Sorten, bei denen weniger die Blüten als die Blattfarben für die Auswahl wesentlich sind. Vor Jahren erhielt ich eine Pflanze der neuen Heuchera-Sorten geschenkt, die vorher als Dekoration in einer winterlichen Saalveranstaltung zur preisgünstigen Ausschmückung der Bühne gedient hatte und sonst im Abfall gelandet wäre. Diese Pflanze hat sich in meinem Garten zu einem kleinen Schattenstar entwickelt.
Der Grund ist die außergewöhnlich kräftige, helle gelbgrüne Farbe der weichen, am Rand gelappten ganzjährigen Blätter. Jetzt im Winter
Aufleuchten in der Wintersonneheben sie sich stark vom umgebenden abgestorbenen Laub oder anderen wintergrünen Stauden ab und leuchten daraus hervor, insbesondere, wenn die blattlosen Gehölze die Wintersonne durchscheinen lassen. Das kann so schön kaum eine andere Pflanze. Und im sommerlichen Schatten hellen sie die dunklen Stellen auf. So ist die Pflanze in jeder Jahreszeit gut fürs Gemüt. Von wegen Füllstaude!
Die Blüten erscheinen im Spätsommer und Herbst, sind nicht purpurn, sondern weiß bis cremegelb und winzig und stehen in hohen rispenförmigen Blütenständen bis 50 cm über den Blättern. Das sieht hübsch aus, aber dennoch machen die Blattfarben die Attraktivität der Pflanze aus.
Die Heucherapflanzen machen kaum Probleme. Schnecken verschonen sie zwar nicht völlig, aber Heuchera gehören gewiss nicht zu ihrer Lieblingsspeise. Zum Blattwechsel im Frühjahr kann man die alten Blätter aus optischen Gründen zurückschneiden. Der Standort sollte nicht total austrocknen und nicht tiefschattig sein, weil die Farbe an lichteren Strandorten heller und vor allem gelber wirkt. Die heiße Sommersonne ist auf der andwren Seite erst recht nicht zuträglich, weil sie Sonnenbrandflecken auf den Blättern verursacht.
Schattengartenpartie im Spätherbst. Der geschlitzte Holunder rechts trägt noch Laub un das Heuchera die zarten weißen Blütenrispen.
Die Pflanzen bilden daumendicke kurze, ein wenig verholzende Rhizome, die sich allmählich unter- oder auch oberirdisch ausbreiten. Diese kann man dort, wo es nicht passt, abnehmen und, soweit sich schon Wurzeln gebildet, an anderer Stelle neu einpflanzen. Das ist kinderleicht. Alles in allem demnach eine sehr pflegeleichte Pflanze! Füllstaude hin oder her. In meinem Garten erfüllt sie eine wichtige Funktion und macht kaum Ärger.
Dieselbe Gartenpartie Anfang Januar - die Heucherapflanzen leuchten in der Sonne.
Möglich, liebe Leser, dass Sie jetzt nach so viel Lobpreisung gerne den Sortennamen wissen möchten. Da muss ich leider vorsichtig sein.. Ein Etikett war bei dem Geschenk nicht dabei und sähe in einer Bühnendekoration auch nicht gut aus. Das Bildmaterial im Internet
Auffälliges Heuchera im Sommer; links ein belaubter Seidelbast, der in den vorangegangenen Bildern ohne Blätter in der linken Mitte zu sehen ist. hilft nicht unbedingt weiter, weil je nach Standort und Jahreszeit der Fotos der einschlägigen Sorten die Farbe zwischen gelb und hellgrün variiert, Sicher handelt es sich aber um eine Sorte von Heuchera villosa, dem zottigen (villosa wörtlich übers.), besser Samt-Purpurglöckchen, wie man an der starken Behaarung der Stängel und der zarten Behaarung der Blätter, vor allem im Sommer, erkennen kann. Vermutlich ist es die Sorte ‘Citronelle'. Sorten, in denen Heuchera villosa steckt, gelten im Allgemeinen als langlebig, robust und wüchsig. Das kann ich für meine Pflanzen, die alle Ableger der ersten noch existierenden Pflanze aus dem „Abfall“ sind, bestätigen.
Letztlich ist nicht die sichere Namensbestimmung, sondern die Qualität der Pflanze wichtig. Und die ist für mich in großem Ausmaß gegeben.
Literatur: Heuchera-Sichtung in Erfurt zu 180 Heuchera-Sorten:
https://tlllr.thueringen.de/fileadmin/TLLLR/Service/Veranstaltungen/Gartenbau/GaLaBau/2018/pacalaj_stauden_sichtung_lvg_ef_2018.pdf
Bezugsquelle für Heuchera villosa ‘Citronelle‘ :z.B.: https://www.stauden-stade.de; https://www.baumschule-horstmann.de/
mit netter Bescheibung.